Wie Manager mit markigen Sprüchen ihr Image prägen

Wie Sie mit Worten ihr Image prägen

Werbung und Unternehmersprüche. Die besten Formulierungen und wie sie wirken…

Markige Sprüche sind das, was Vorgesetzte, Firmenbesitzer und Unternehmer brauchen, wenn sie ihr Image prägen wollen – heute mehr denn je. Denn wenn Körpersprache und Statussymbole nicht ausreichen, um sich zu positionieren, greift man zu dem, was Fachleute und gute Werbetexter „wörtliche Rede“ nennen. Wie man mit den besten Sprüchen des Jahres sein Image prägt, lesen Sie hier…

Spoken Word schlägt Digital

Erstaunlicherweise ist es fast nur wörtliche Rede, die beim Image-Prägen als Medium des Agilen, Markanten und Erfolgreichen verwendet wird. Wer sich als topmoderner Manager mit extrem viel Fachkenntnis darstellen will, tut das ohne Email, Twitter usw., sondern meistens direkt – in Reden und in Interviews.

Aus der Analog-Ära sind noch Sätzen erhalten wie „Ich will keine Probleme, sondern Lösungen“,„das Timing ist sehr sportlich“ oder „der Tag hat 25 Stunden“ (wobei die beste Antwort wäre: So ’ne Uhr hatte ich auch mal). Aber mittlerweile haben sich die markigen Unternehmer-Sprüche verändert. Heute wollen ihre Schöpfer Eindruck machen, indem sie möglichst viele Fachwörter verwenden. Und die Kunst besteht darin, sie so einzubauen, dass sie wie normale Menschen-Sprache klingen. Hier sind die besten Beispiele.

Die Sprüche des Jahres

Platz 1 gebührt dem Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller mit seinem Satz „Wir werden … Mobilität gemeinsam mit Partnern aus aller Welt neu definieren.“ (Quelle: Fernsehen). Sicher ist es toll, wenn Leute was mit Partnern machen – aber was war eigentlich noch mal die alte Definition von Mobilität? Warum muss jetzt ’ne neue her? Und wird vom Neu-Definieren etwas besser?

Sie wollen Ihr Image stärken? Sagen Sie es einfach kompliziert

Andere greifen statt zu konkreten Inhalten in den digitalen Werkzeugkasten – und wer da ein Fremdwort nicht versteht, gilt als nicht besonders heller Ewig-Gestriger. Auf Platz 2 finden wir einen Verlagsmanager und seine Beschreibung dessen, was er alles so tun lässt:

„Unsere Teams bringen durch ihr Audience-Development-Know-How den Content dahin, wo der Konsument ist… Wir haben den Proof of Metrics, um den Erfolg des Contents zu messen…“ (Quelle: w&v)

Alles klar? Wer herausgefunden hat, was das bedeutet, kann es behalten.

Wir müssen uns trennen

Platz 3 nimmt eine neue Formulierung zum Thema „personelle Umbesetzung“ ein. Früher sprach man, wenn man sich von einem Mitarbeiter trennte, oft von unterschiedlichen Ansichten über die Zukunft des Unternehmens – die Unterschiede in den Ansichten lagen meist darin, dass sich ein Mitarbeiter in Zukunft noch im Unternehmen sah, die Geschäftsleitung aber nicht. Weil dieser Spruch durch häufige Verwendung an Glaubwürdigkeit verloren hat, muss nun ein anderer her.

Heraus gekommen ist zum Beispiel das hier: „Wir konzentrieren uns in Zukunft stärker auf content-getriebenen Handel in den Kanälen Print und Digital“ (Quelle: w&v). Unschlagbar: Gegen „Content“ kann keiner was sagen. Content sagt alles und kann alles. Und wahrscheinlich arbeitet Audi schon an einem Auto mit Content-Antrieb.

Sein Image prägen – was dahinter steckt

Dabei ist das alles eigentlich nur ein uralter Trick aus der Schule. Schon Pennäler finden es ja toll, Einfaches möglichst verschwurbelt auszudrücken – aus „Wasser“ wird dann „Dihydrogenmonoxid“, und aus einer Zeitschrift heute ein printbasiertes, von Storytelling angetriebenes, analoges Content-Container-Medium mit flexibel und individuell changierenden Angeboten, d.h. Seiten. Und das Ergebnis wirkt dann immer ein bisschen, als käme es aus der Trickkiste von Mr. Spock, Data, HAL 9000 und anderen emotionslosen Superhirnen. Auch darum steht auf Platz 4 Google-Manager Gerrit Rabenstein mit seiner Definition von „Innovation“: „Es geht nicht um Modernisierung, sondern um ein komplett neues Denken“ (Quelle: Horizont).

Und jetzt?

Die Plätze 5 bis 100 sind alle noch frei. Weitere Vorschläge, wie man mit markigen Sprüchen das Image prägen kann, nehme ich gern an und bin schon gespannt. Aber das Optimale ist ja nicht immer das Gegenteil von dem, was man erwarten kann. Und alles wird anders – auch die dicke Hose.

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